République française
Französische Republik
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Wahlspruch: Liberté, Egalité, Fraternité
(Französisch fĂŒr âFreiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeitâ)
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| Amtssprache |
Französisch |
| Hauptstadt |
Paris |
| Staatsform |
semiprÀsidiale Republik |
| Staatsoberhaupt |
StaatsprÀsident Nicolas Sarkozy |
| Regierungschef |
Premierminister François Fillon |
| FlÀche |
674.843 kmÂČ
Metropolitan-Fr.: 547.026 [1] kmÂČ
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| Einwohnerzahl |
65.447.374[2] (Januar 2010)
Metropolitan-Fr.: 62.793.432[3]
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| Bevölkerungsdichte |
97 Einwohner pro kmÂČ
Metropolitan-Fr.: 115 Einwohner pro kmÂČ
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BIP
- Total (PPP)
- Total (Nominal)
- BIP/Einw. (PPP)
- BIP/Einw. (Nominal)
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2008
- $ 2.130 Milliarden (8.)
- $ 2.865 Milliarden (5.)
- $ 34.208 (24.)
- $ 46.016 (16.)
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| HDI |
0,961 (8.)[4] |
| WĂ€hrung |
Euro (âŹ) 1 Euro = 100 Cent, in den pazifischen Ăberseegebieten CFP-Franc |
| GrĂŒndung |
843 (Vertrag von Verdun) |
| Nationalhymne |
Marseillaise |
| Nationalfeiertag |
14. Juli |
| Zeitzone |
UTC+1 |
| Kfz-Kennzeichen |
F |
| Internet-TLD |
Metropolitan-Fr.: .fr
Ăberseegebiete: .bl, .gf, .gp, .mf, .mq, .nc, .pf, .pm, .re, .tf, .wf, .yt |
| Telefonvorwahl |
Metropolitan-Fr.: +33
Ăberseegebiete: +262, +508, +590, +594, +596, +681, +687, +689 |
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Frankreich (amtlich RĂ©publique française, deutsch Französische Republik; Kurzform franz.: France [fÊÉÌs]) ist ein demokratischer, zentralistischer Einheitsstaat im Westen Europas. In Europa grenzt es an Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien, Monaco, Spanien, Andorra, an die Nordsee, an den Atlantik mit dem Ărmelkanal und an das Mittelmeer. Neben dem Territorium in Europa gehören zu Frankreich Ăberseegebiete in der Karibik (u. a. Saint-Martin, das eine Landgrenze mit dem niederlĂ€ndischen Sint Maarten aufweist), SĂŒdamerika (Französisch-Guayana, das Landgrenzen zu Brasilien und Suriname hat), vor der KĂŒste Nordamerikas, im Indischen Ozean und in Ozeanien. Ferner beansprucht Frankreich einen Teil der Antarktis. Frankreich ist ein Mitglied der EU.
Geographie
Karte von Frankreich mit den wichtigsten StĂ€dten und FlĂŒssen
â Hauptartikel: Geographie Frankreichs
Insgesamt hat das âfranzösische Mutterlandâ in Europa, das aufgrund seiner Form auch als lâHexagone (Sechseck) bezeichnet wird, eine FlĂ€che von 547.026 kmÂČ. Frankreich hat abgesehen vom Mittelmeer auch MeereskĂŒsten im Norden und Westen, das Landschaftsbild prĂ€gen ĂŒberwiegend Ebenen oder sanfte HĂŒgel. In der SĂŒdosthĂ€lfte ist das Land gebirgig, Hauptgebirge sind die PyrenĂ€en, das Zentralmassiv, die Alpen sowie die Vogesen im Osten. Der höchste Berg Frankreichs und der Alpen ist der Mont Blanc (4.810 Meter).
Reliefkarte von Frankreich mit den wichtigsten FlĂŒssen
Die mit Abstand wichtigste und gröĂte Stadt in Frankreich ist die Hauptstadt Paris mit rund zwölf Millionen Einwohnern in der Agglomeration (Region Ăle-de-France). Die GroĂrĂ€ume um Marseille, Lille und Lyon haben ebenfalls mehr als eine Million Einwohner.
Am 1. Januar 2006 waren die gröĂten StĂ€dte des Landes nach den Erhebungen des rollierenden Zensus, einer Erhebung mit rotierenden Stichproben (in der rechten Spalte der GroĂraum):
Siehe auch: StÀdte in Frankreich
Bevölkerung
â Hauptartikel: Franzosen
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerung Frankreichs wurde fĂŒr 1750 auf etwa 25 Millionen geschĂ€tzt. Damit war es mit Abstand das bevölkerungsreichste Land Westeuropas. Bis 1850 stieg die Einwohnerzahl weiter bis auf 37 Millionen, danach trat eine Stagnation des Wachstums ein.[5] Die Ursache hierfĂŒr waren das damals verbreitete Ideal einer kinderarmen Familie und die Ideen des Malthusianismus.[6] So wuchs die Einwohnerzahl in 100 Jahren nur um drei Millionen: 1945 hatte Frankreich, trotz starker Zuwanderung, nur etwa 40 Millionen Einwohner. Diese Bevölkerungsstagnation wird als eine der Ursachen fĂŒr die relative RĂŒckstĂ€ndigkeit Frankreichs wĂ€hrend der beiden Weltkriege gesehen.[6] FĂŒr das Jahr 1990 wurden 56,6 Millionen Einwohner ermittelt, fĂŒr den 1. Januar 2010 wurde die Bevölkerung einschlieĂlich der Menschen in den Ăberseegebieten auf 65,4 Millionen geschĂ€tzt.[2] Davon entfielen 62,8 Millionen auf die MĂ©tropole[3]
Nach Deutschland nimmt Frankreich in der EU den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl ein; weltweit liegt es auf Platz 20. Innerhalb der EU hat Frankreich einen Bevölkerungsanteil von 13 %.[7]
Die Bevölkerung wuchs im Jahr 2009 um 356.000 Personen oder 0,55 Prozent. Das Wachstum verlangsamte sich leicht gegenĂŒber den Vorjahren (2006: 0,67 %, 2007 und 2008: 0,57 %). Die Geburtenbilanz des Jahres 2009 war positiv: es wurden 275.000 Menschen mehr geboren als starben; die Wanderungsbilanz ist ebenfalls positiv: es wanderten 71.000 Menschen mehr zu als aus.[7] Die französische Bevölkerung wird im Durchschnitt Ă€lter: Der Anteil der Unter-20-JĂ€hrigen ist zwischen 2000 und 2010 von 25,8 % auf 24,7 % gesunken, gleichzeitig nahm der Anteil der Menschen ĂŒber 65 von 15,8 % auf 16,6 % zu.[7]
2009 wurden 256.000 Ehen geschlossen, nachdem es zehn Jahre zuvor noch mehr als 294.000 waren. DafĂŒr wĂ€hlten mehr Franzosen den Zivilen SolidaritĂ€tspakt als Form des Zusammenlebens. Diese Pacs genannte Partnerschaft wurde 1999 eingefĂŒhrt; 2009 wurden 175.000 Pacs geschlossen.[7] Das Durchschnittsalter der ersten Ehe lag 2008 fĂŒr MĂ€nner bei 31,6 Jahren und fĂŒr Frauen bei 29,7 Jahren. Es stieg seit 1999 um fast 2 Jahre.[7] Die Fruchtbarkeitsrate in Frankreich liegt mit 2,0 Kindern pro Frau (2008) europaweit an dritter Stelle nach Irland und Island;[8] sie ist jedoch von 3 Kindern pro Frau in den 1960er Jahren gesunken.[9] Die Kindersterblichkeit 2009 betrug 3,8 â° nach 4,4 â° im Jahr 1999.[7]
Die Lebenserwartung, die um 1750 bei knapp 30 Jahren gelegen war, betrug 1987 72 Jahre fĂŒr MĂ€nner und 80 Jahre fĂŒr Frauen[10]. Bis 2008 stieg sie auf 84 Jahre fĂŒr Frauen und 78 Jahre fĂŒr MĂ€nner.[7]
AuslÀndische Bevölkerung
Aufgrund des langsamen Bevölkerungswachstums kannte Frankreich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Problem des ArbeitskrĂ€ftemangels. FĂŒr die Industrialisierung kamen deshalb Gastarbeiter aus den NachbarlĂ€ndern (Italiener, Polen, Deutsche, Spanier, Belgier) nach Frankreich. Ab 1880 lebten und arbeiteten somit etwa 1 Million AuslĂ€nder in Frankreich; sie stellten 7 bis 8 Prozent der ErwerbstĂ€tigen.[11] Das PhĂ€nomen einer Massenauswanderung, das gleichzeitig in Deutschland herrschte, kannte Frankreich nicht. WĂ€hrend des ersten Weltkrieges waren etwa 3 % der Bevölkerung Frankreichs AuslĂ€nder, es kam zu ersten auslĂ€nderfeindlichen Tendenzen.[11] Bis 1931 wuchs der AuslĂ€nderanteil auf 6,6 %; Frankreich behielt bis 1974 eine sehr liberale Einwanderungspolitik bei. Der Anteil der auslĂ€ndischen Wohnbevölkerung 2006 betrug 5,8 %, dazu kommen 4,3 % Français par acquisition, also Menschen, die im Ausland geboren sind und die französische StaatsbĂŒrgerschaft bekommen haben.[12]
Starke Verschiebungen hat es bei den HerkunftslĂ€ndern der AuslĂ€nder in Frankreich gegeben. EuropĂ€er, vor allem Italiener und Polen, machten 1931 mehr als 90 % der auslĂ€ndischen Bevölkerung aus.[11] Dieser Anteil lag in den 1970er Jahren nur noch bei etwa 60 %, den stĂ€rksten Anteil stellten nun die Portugiesen.[11] Heute sind die meisten AuslĂ€nder in Frankreich nordafrikanischen Ursprunges (Algerier, Marokkaner, Tunesier), gefolgt von SĂŒdeuropĂ€ern (Portugiesen, Italiener, Spanier).[13] Die höchste Konzentration von auslĂ€ndischer Bevölkerung findet sich im SĂŒdosten Frankreich sowie im GroĂraum Paris.[13]
Bildungswesen
Hauptartikel: Bildungssystem in Frankreich, Liste der Bildungsminister von Frankreich
Schulsystem in Frankreich
Die französische Verfassung definiert, dass der Zugang zu Bildung, Ausbildung und Kultur fĂŒr alle BĂŒrger gleich zu sein hat und dass das Unterhalten eines unentgeltlichen und laizistischen öffentlichen Schulwesens Aufgabe des Staates ist. Demnach ist das Bildungssystem Frankreichs zentralistisch organisiert, die verschiedenen Gebietskörperschaften mĂŒssen jedoch die Infrastruktur bereitstellen. Es koexistieren private und öffentliche Einrichtungen, wobei die gröĂtenteils katholischen Privatschulen in der Vergangenheit mehrmals Gegenstand intensiver politischer Auseinandersetzung waren. Im Gegensatz zu den Schulsystemen der deutschsprachigen LĂ€nder liegt in Frankreich mehr Schwerpunkt auf Auslese und Bildung von Eliten, bzw. Ausbildung ĂŒber Bildung. Seit 1967 herrscht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr.[14]
Der Kindergarten heiĂt in Frankreich Ăcole maternelle und bietet Vorschulerziehung fĂŒr Kinder ab zwei Jahren an. Er wird von einem hohen Prozentsatz der Kinder besucht. Die Betreuer in den maternelles haben eine Lehrerausbildung. Die Ăcole Ă©lĂ©mentaire ist die Grundschule und dauert fĂŒnf Jahre, nach deren Abschluss die Kinder das CollĂšge besuchen, welches einheitlich ist, vier Jahre dauert und welches man mit dem Brevet des collĂšges abschlieĂt.
Hiernach hat der Jugendliche mehrere Möglichkeiten. Er kann in eine berufsbildende Schule eintreten, die er mit dem Certificat d'aptitude professionelle abschlieĂt; ein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland ist aber sehr wenig verbreitet. Das LycĂ©e entspricht in etwa dem Gymnasium. Es fĂŒhrt nach 12 Schuljahren zum baccalaurĂ©at, man unterscheidet mehrere Schulzweige wie naturwissenschaftlich, wirtschaftlich oder literarisch. Wer ein lycĂ©e professionnel oder ein Centre de formation d'apprentis besucht, kann dies nach 13 Schuljahren mit einem baccalaurĂ©at professionnel abschlieĂen.
Die akademische Bildung wird von der Koexistenz der Grandes Ă©coles und der UniversitĂ€ten geprĂ€gt. Die Grandes Ă©coles dienen der Ausbildung von Eliten fĂŒr Wirtschaft und Verwaltung, haben jedoch fast keine Forschung. Man kann sie erst nach dem Besuch der classe prĂ©paratoire besuchen, die in der Regel von LycĂ©es angeboten wird. Die Grandes Ă©coles haben gegenĂŒber den UniversitĂ€ten Frankreichs eine höhere Reputation, haben niedrige Studentenzahlen und hohe persönliche Betreuung, jedoch ist eine Promotion hier nicht möglich. Zu den bedeutenderen der Grandes Ă©coles gehören die Ăcole Polytechnique, die Ăcole Normale SupĂ©rieure, die Ăcole nationale dâadministration und die Ăcole Centrale Paris. Im Zuge der europaweiten Harmonisierung der StudienabschlĂŒsse im Rahmen des Bologna-Prozess wird auch an französischen Hochschulen das LMD-System eingefĂŒhrt. LMD bedeutet, dass nacheinander die Licence bzw. Bachelor (nach 3 Jahren), der Master (nach 5 Jahren) und das Doktorat (nach 8 Jahren) erworben werden können. Die traditionellen nationalen Diplome (DEUG, Licence, MaĂźtrise, DEA und DESS) sollen im Rahmen dieses Prozesses entfallen. Ende 2009 studierten rund 2,25 Millionen Studentinnen und Studenten an französischen Hochschulen.[15]
Sprachen
Verteilung der Regionalsprachen
Hauptartikel: Französische Sprachpolitik, Sprachen in Frankreich
Die französische Sprache entwickelte sich aus dem francien, das im Mittelalter in der heutigen Region Ăle-de-France gesprochen wurde. Es verbreitete sich in dem MaĂe, wie die französische Könige ihr Herrschaftsgebiet ausdehnten. Bereits 1539 bestimmte König Franz I., dass die französische Sprache die einzige Sprache seines Königreiches sein solle. Trotzdem sprachen im 18. Jahrhundert nur etwa die HĂ€lfte der Untertanen der französischen Könige französisch.[16] Nach der Revolution wurden die Regionalsprachen aktiv bekĂ€mpft; erst im Jahre 1951 erlaubte die Loi Deixonne Unterricht in Regionalsprachen.[17] Auch heute legt Artikel 2 der französischen Verfassung von 1958 fest, dass die französische Sprache die alleinige Amtssprache Frankreichs ist. Sie ist nicht nur die in Frankreich allgemein gesprochene Sprache, sie ist auch TrĂ€gerin der französischen Kultur in der Welt. Die in Frankreich gesprochenen Regionalsprachen drohen aufgrund interner Wanderungen und der fast ausschlieĂlichen Verwendung der französischen Sprache in den elektronischen Medien auszusterben. Frankreich hat die EuropĂ€ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zwar unterschrieben, jedoch nicht ratifiziert. Der Grund dafĂŒr liegt, dass Teile der Charta mit der französischen Verfassung nicht vereinbar sind. Seit 2008 erwĂ€hnt die Verfassung in Artikel 75 die Regionalsprachen als Kulturerbe Frankreichs.[18]
Regionalsprachen, die in Frankreich gesprochen werden, sind:
Weiterhin werden in den Ăberseebesitzungen verschiedenste Sprachen gesprochen wie Kreolsprachen, Polynesische Sprachen oder Kanak-Sprachen.
Französisch ist Arbeitssprache bei der UNO, der OSZE, der EuropĂ€ischen Kommission und der Afrikanischen Union. Um die französische Sprache vor der Vereinnahmung durch Anglizismen zu schĂŒtzen, wurde 1994 die Loi Toubon verabschiedet. Mit dem DurchfĂŒhrungsdekret von 1996 wurde ein Mechanismus zur EinfĂŒhrung neuer Wörter festgelegt, der von der DĂ©lĂ©gation gĂ©nĂ©rale Ă la langue française et aux langues de France und der Commission gĂ©nĂ©rale de terminologie et de nĂ©ologie gesteuert wird. Dieses Dekret verlangt, dass die französischen Wörter, die in der Amtszeitung und im Wörterbuch FranceTerme veröffentlicht werden, von öffentlichen Stellen verpflichtend zu gebrauchen sind.
Die Einwanderer verschiedenster Nationen, vor allem aus Portugal, Osteuropa, dem Maghreb und dem restlichen Afrika haben ihre Sprachen mitgebracht. Im Unterschied zu den traditionellen Sprachen konzentrieren sich diese Sprechergemeinden besonders in den groĂen StĂ€dten, sind aber keinem genau abgrenzbarem geografischen Gebiet zuzuordnen.
Religionen
Siehe auch: Römisch-katholische Kirche in Frankreich, Hugenottenkriege, Reformierte Kirche von Frankreich, Evangelischer Bund von Frankreich, Geschichte der Juden in Frankreich, Islam in Frankreich
Frankreich ist offiziell ein laizistischer Staat, das heiĂt, Staat und Religionsgemeinschaften sind vollkommen voneinander getrennt. Da von staatlicher Seite keine Daten ĂŒber die Religionszugehörigkeit der Einwohner erhoben werden, beruhen alle Angaben ĂŒber die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung auf SchĂ€tzungen oder den Angaben der Religionsgemeinschaften selbst und weichen deshalb oft erheblich voneinander ab, weshalb auch die folgenden Zahlen mit Vorsicht zu behandeln sind. In einer Umfrage von Le Monde des religions bezeichneten sich 51 % der Franzosen als katholisch, 31 % erklĂ€rten keiner Religion anzugehören und etwa 9 % gaben an Muslime zu sein. 3 % bezeichneten sich als Protestanten und 1 % als Juden. 6 % machten andere oder keine Angaben.
Historisch war Frankreich lange Zeit ein katholisch dominierter Staat. Seit Ludwig XI. (â 1483) trugen die französischen Könige mit EinverstĂ€ndnis des Papstes den Titel eines roi trĂšs chrĂ©tien (allerchristlichsten Königs). In der Reformationszeit blieb Frankreich immer mehrheitlich katholisch, auch wenn es starke protestantische Minderheiten (Hugenotten) gab. Diese mussten aber spĂ€testens nach der BartholomĂ€usnacht 1572 die Hoffnung auf ein protestantisches Frankreich aufgeben. Als der Protestant Heinrich von Navarra Thronerbe Frankreichs wurde trat er zum katholischen Glauben ĂŒber (Paris vaut bien une messe - Paris ist eine Messe wert !), garantierte aber gleichzeitig im Edikt von Nantes 1598 den Protestanten Sonderrechte und insbesondere Religionsfreiheit. Das Edikt von Nantes wurde 1685 unter Ludwig XIV. wieder aufgehoben, was trotz schwerster Strafandrohungen zu einer Massenflucht der Hugenotten ins benachbarte protestantische Ausland fĂŒhrte. Erst kurz vor der Französischen Revolution erhielten die Protestanten eine begrenzte Glaubensfreiheit zugestanden. Die französische Revolution hob dann alle BeschrĂ€nkungen der Glaubensfreiheit auf. Es kam in den Jahren nach der Revolution in der Ersten Französischen Republik zu einer kurzen Phase einer heftigen Kirchenfeindlichkeit, da die katholische Kirche als Vertreterin des ancien rĂ©gime (alten Regimes) gesehen wurde. Nicht nur die Privilegien der Kirche, sondern sogar der christliche Kalender und Gottesdienst wurden abgeschafft. Unter Napoleon Bonaparte kam es mit dem Konkordat von 1801 aber wieder zu einem Ausgleich zwischen katholischer Kirche und Staat. In der Dritten Republik ergab sich erneut ein Konflikt zwischen Kirche und Staat, der in dem am 9. Dezember 1905 verabschiedeten Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat mĂŒndete, in dem die strikte Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben wurde.[19]
Die jĂŒdische Gemeinschaft in Frankreich hat eine wechselhafte Geschichte. Seit der Römerzeit lebten Juden in Frankreich. Sie wurden jedoch in zwei Wellen 1306 unter Philipp IV. und 1394 unter Karl VI. vollstĂ€ndig des Landes verwiesen. Ăber viele Jahrhunderte gab es danach kaum ein jĂŒdisches Leben in Frankreich bis die Französische Revolution den Juden die bĂŒrgerliche Gleichberechtigung gewĂ€hrte. Trotzdem blieb Frankreich bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Land mit geringer jĂŒdischer Bevölkerung. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine starke Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien sowie aus Osteuropa ein, so dass Frankreich heute das Land Europas mit der gröĂten jĂŒdischen Bevölkerungsgruppe darstellt. Ebenfalls seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine starke Zunahme des Anteils an Muslimen zu verzeichnen, die auf Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien zurĂŒckgeht.
Nur noch 58 % der Franzosen glauben an einen Gott; der Anteil der jungen Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ist seit 1981 von 31 % auf 42 % gestiegen.[20] Nach einer Studie des PewResearch Center bezeichnet sich nur eine Minderheit von 27 % der Franzosen als âreligiösâ und 10 % als âsehr religiösâ. Beides sind weltweit die niedrigsten Werte.[21]
Geschichte
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Staatswappen unter den Königen von Frankreich
â Hauptartikel: Geschichte Frankreichs
Obwohl das Gebiet des heutigen Frankreichs bereits in frĂŒheren Jahrhunderten unter römischer Herrschaft stand und spĂ€ter den westlichen Teil des Frankenreichs bildete, beginnt eine eigenstĂ€ndige französische Geschichte erst mit der Aufteilung des Reichs Karls des GroĂen zwischen dessen Enkeln mit dem Vertrag von Verdun im Jahre 843.
Das französische Mittelalter war geprĂ€gt durch den Aufstieg des Königtums im stetigen Kampfe gegen die UnabhĂ€ngigkeit des Hochadels und die weltliche Gewalt des Klerus, durch Teilnahme an verschiedenen KreuzzĂŒgen und die Verfolgung von Ketzerbewegungen (wie z. B. der Albigenser), aber auch durch das AufblĂŒhen der StĂ€dte, der Scholastik und der gotischen Architektur. Gleichzeitig vollzog sich die allmĂ€hliche Geburt der Nation und die Ăberwindung der englischen AnsprĂŒche auf den Thron Frankreichs, welche zum HundertjĂ€hrigen Krieg fĂŒhrten und der letztlich mit dem völligen Verlust sĂ€mtlicher englischer Besitzungen auf dem Festland (mit Ausnahme von Calais) endete.
Mit der Eingliederung Burgunds und der Bretagne in den französischen Staat befand sich das Königtum auf einem vorlĂ€ufigen Höhepunkt seiner Macht, wurde jedoch bald wieder durch den Konflikt mit den Habsburgern und vor allem durch die ReligionskĂ€mpfe zwischen Katholiken und calvinistischen Hugenotten schwer erschĂŒttert. Die Hugenotten wurden grausam verfolgt, es kam zu blutigen Ausschreitungen (wie beispielsweise in der BartholomĂ€usnacht im Jahre 1572), der Adel war gespalten in die AnhĂ€nger der protestantischen Bourbonen und der katholischen Guise. Erst nachdem sich die StĂ€nde in diesen Wirren verbraucht hatten, konnte die Krone wieder das Ăbergewicht erlangen und mit Heinrich IV. (Frankreich) den Weg zu einem einheitlichen absolutistischen Regime einschlagen.
Nachdem das Edikt von Nantes, erlassen im Jahre 1598, den Hugenotten vorlĂ€ufig die bĂŒrgerliche Gleichberechtigung und religiöse Duldung gewĂ€hrte und somit fĂŒr eine gewisse innere Geschlossenheit sorgte, gelang es in der Folgezeit den KardinĂ€len Richelieu und Jules Mazarin, endgĂŒltig den absolutistischen Staat zu errichten. GemÀà dem Edikt von Fontainebleau von 1685 wurden die Hugenotten vertrieben und verfolgt. Auch unter Ludwig XIV., dem so genannten Sonnenkönig, der 1643 als VierjĂ€hriger inthronisiert wurde und bis 1715 herrschte, fĂŒhrte Frankreich zahlreiche Kriege. Wie schon im DreiĂigjĂ€hrigen Krieg waren auch die durch die Reformation gespalteten deutschen Nachbarn im schwachen Kaiserreich Ziel der Expansionsbestrebungen. Die französischen RaubzĂŒge, VerwĂŒstungen und Eroberungen begrĂŒndeten die deutsch-französische Erbfeindschaft.
Im Zuge der Ereignisse der Französischen Revolution 1789 wurde die seit vielen Jahrhunderten bestehende Monarchie gestĂŒrzt. So begann eine Periode des Umbruchs, in der wechselnd republikanische, napoleonisch-imperiale und monarchistische Staatsformen herrschten. Unter NapolĂ©on beherrschte Frankreich groĂe Teile Europas, Soldaten aus vielen Völkern wurden zur Teilnahme an dessen Kriegen gezwungen, so etwa im Russlandfeldzug 1812. Nach der Wiederherstellung der Monarchie dehnte Frankreich seine Macht wieder aus, eroberte weitere Kolonien, und erhob Anspruch auf das gesamte Rhein-Westufer (Rheinkrise).
Nach dem Angriff Frankreichs auf PreuĂen und der Gefangennahme von Kaiser Napoleons III. im Jahre 1870 setzte Frankreich als Dritte Französische Republik den Krieg fort, verlor aber diesen ebenso wie ElsaĂ-Lothringen.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erklĂ€rte Frankreich Deutschland den Krieg, wurde 1940 nach kurzem Westfeldzug besiegt und â mit Ausnahme der von Vichy aus verwalteten Zone libre â bis 1944 besetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Frankreich seine gröĂten verbliebenen Kolonien, Vietnam und Algerien, nach kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit der Umstrukturierung zur FĂŒnften Republik 1958 hat der PrĂ€sident umfassende Exekutivgewalt.
Politik
Organigramm des politischen Systems der FĂŒnften Französischen Republik
Hauptartikel: Politisches System Frankreichs
Seit der Annahme einer neuen Verfassung am 5. Oktober 1958 spricht man in Frankreich von der FĂŒnften Republik. Diese Verfassung macht Frankreich zu einer zentralistisch organisierten Demokratie mit einem exekutivlastigen semi-prĂ€sidentiellen Regierungssystem. GegenĂŒber frĂŒheren Verfassungen wurde die Rolle der Exekutive und vor allem jene des PrĂ€sidenten weitgehend gestĂ€rkt. Dies war die Reaktion auf die extreme politische InstabilitĂ€t in der Vierten Republik. Sowohl PrĂ€sident und Premierminister spielen eine aktive Rolle im politischen Leben, wobei der PrĂ€sident nur dem Volk gegenĂŒber verantwortlich ist. Die Macht des Parlaments wurde in der fĂŒnften Republik eingeschrĂ€nkt, die Verfassung hat ihm jedoch entscheidende Kontrollfunktionen ĂŒbertragen.
Die Verfassung enthĂ€lt keinen Grundrechtekatalog, sondern verweist auf die ErklĂ€rung der Menschen- und BĂŒrgerrechte von 1789 und die in der Verfassung der Vierten Französischen Republik von 1946 festgehaltenen sozialen Grundrechte.
Exekutive
Hauptartikel: StaatsprÀsident (Frankreich), Premierminister (Frankreich), Französische Regierung
VerfassungsgemÀà ist der direkt durchs Volk gewĂ€hlte StaatsprĂ€sident das höchste Staatsorgan. Er steht ĂŒber allen anderen Institutionen. Er wacht ĂŒber die Einhaltung der Verfassung, sichert das Funktionieren der öffentlichen Gewalten, die KontinuitĂ€t des Staates, die UnabhĂ€ngigkeit, die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes und die Einhaltung von mit anderen Staaten geschlossenen Abkommen. Er tritt als Schiedsrichter bei Streitigkeiten zwischen staatlichen Institutionen auf.[22] Er verkĂŒndet Gesetze und hat das Recht, sie dem Verfassungsrat zur PrĂŒfung vorzulegen. Er darf Gesetze oder Teile davon an das Parlament zur Neuberatung zurĂŒckweisen, hat aber kein Vetorecht. Dekrete und Verordnungen werden vom Ministerrat, dessen Vorsitz der PrĂ€sident fĂŒhrt, beschlossen; gegenĂŒber diesen hat der PrĂ€sident jedoch ein aufschiebendes Veto.[23] Hinsichtlich der AuĂen- und Sicherheitspolitik verfĂŒgt der StaatsprĂ€sident sowohl ĂŒber die Richtlinien- und ĂŒber die Ratifikationskompetenz, sodass er sowohl die AuĂenpolitik gestaltet als auch völkerrechtliche Vereinbarungen fĂŒr Frankreich verbindlich eingeht. Diese Praxis schĂ€lte sich in der Regierungszeit de Gaulles heraus und ist nicht zwingend der Verfassung zu entnehmen.[24] Auf Antrag der Regierung oder des Parlamentes darf der PrĂ€sident Volksabstimmungen initiieren. Er ernennt Mitglieder wichtiger Gremien, etwa drei der neun Mitglieder des Verfassungsrates, alle Mitglieder des Obersten Rates fĂŒr den Richterstand sowie die StaatsanwĂ€lte. Der StaatsprĂ€sident ist keiner Kontrolle durch die Judikative unterworfen, dem Parlament gegenĂŒber ist er nur bei Hochverrat verantwortlich. Des Weiteren befiehlt der StaatsprĂ€sident ĂŒber die StreitkrĂ€fte und den Einsatz der Atomwaffen; im Falle der Ausrufung des Notstandes hat der PrĂ€sident fast unbeschrĂ€nkte AutoritĂ€t. Dem PrĂ€sidenten steht das PrĂ€sidialamt als Berater und UnterstĂŒtzer zur Seite.
Der PrĂ€sident leitet die ihm verliehene staatliche AutoritĂ€t an den Premierminister und die Regierung weiter, wobei die Regierung die vom PrĂ€sidenten vorgegebenen Richtlinien umzusetzen hat. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen PrĂ€sidenten und Premierminister, die in einer Cohabitation schwierig sein kann, also wenn PrĂ€sident und Premierminister aus zwei entgegengesetzten politischen Lagern kommen. Der PrĂ€sident ernennt formell ohne jegliche EinschrĂ€nkungen einen Premierminister und, auf Vorschlag des Premierministers, die Regierungsmitglieder. Die Regierung hĂ€ngt in der Folge vom Vertrauen des Parlamentes ab, der PrĂ€sident kann eine einmal ernannte Regierung formal nicht entlassen. Die Regierung besteht aus Ministern, Staatsministern, ministres dĂ©leguĂ©s, also Ministern mit speziellen Aufgaben, und StaatssekretĂ€ren. Regierungsmitglieder dĂŒrfen in Frankreich kein anderes staatliches Amt, keine sonstige BerufstĂ€tigkeit oder Parlamentsmandat ausĂŒben. Sie sind in ihrer Funktion dem Parlament verantwortlich.[25]
Legislative
Hauptartikel: Französisches Parlament
Das Parlament der V. Republik besteht aus zwei Kammern. Die Nationalversammlung (AssemblĂ©e Nationale) hat 577 Abgeordnete, die direkt auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt werden. Der Senat hat 317 Mitglieder (ab 2010 346 Mitglieder). Diese werden indirekt fĂŒr eine Amtszeit von sechs Jahren gewĂ€hlt. Die Wahl des Senats wird auf Ebene der DĂ©partements durchgefĂŒhrt, wobei das Wahlkollegium aus den Abgeordneten des DĂ©partements, den GeneralrĂ€ten und Gemeindevertretern besteht.
Die Initiative fĂŒr Gesetze kann vom Premierminister oder einer der beiden Parlamentskammer ausgehen. Nach der Debatte in den Kammern muĂ der Gesetzestext von beiden Kammern gleichlautend verabschiedet werden, wobei das Weiterreichen des Textes als navette bezeichnet wird. Nach der Annahme durch das Parlament hat der PrĂ€sident nur einmal das Recht, einen Gesetzestext zurĂŒckzuweisen. Das Parlament hat weiters die Aufgabe, die Arbeit der Regierung durch Anfragen und Aussprachen zu kontrollieren. Die Nationalversammlung hat die Möglichkeit, die Regierung zu stĂŒrzen. Das Parlament hat nicht die Befugnis, den StaatsprĂ€sidenten politisch herauszufordern.[26] Der StaatsprĂ€sident darf jedoch die Nationalversammlung auflösen; von diesem Recht wurde in der Vergangenheit wiederholt Gebrauch gemacht, um schwierige Phasen der Cohabitation zu beenden.[27]
Jurisdiktion
Palais de Justice in Paris
â Hauptartikel: Gerichtsorganisation in Frankreich
In der FĂŒnften Republik ĂŒbernimmt der Verfassungsrat (Conseil constitutionnel) die Kontrollfunktion innerhalb des politischen Systems. In einem nicht erneuerbaren Mandat ernennen der StaatsprĂ€sident, und die PrĂ€sidenten der Nationalversammlung und des Senats jeweils drei Abgeordnete fĂŒr eine Amtszeit von neun Jahren. Der Rat ĂŒberprĂŒft Gesetze auf Anfrage, ĂŒberwacht die GesetzesmĂ€Ăigkeit von Wahlen und Referenden. FĂŒr eine ĂberprĂŒfung von Gesetzen sind jeweils 60 Abgeordnete der Nationalversammlung (10,4 % der Abgeordneten) oder des Senats (18,1 % der Senatoren) nötig.
Die Todesstrafe wurde in Frankreich 1981 abgeschafft.
Politische Parteien
Die französische Parteienlandschaft zeichnet sich durch einen hohen Grad der Zersplitterung und hohe Dynamik aus. Neue Parteien entstehen und existierende Parteien Ă€ndern hĂ€ufig ihre Namen. Die Namen der Parteien geben nur sehr bedingt ĂŒber ihre ideologische Ausrichtung Aufschluss, denn es ist zu einer gewissen Begriffsentfremdung gekommen. Französische Parteien haben in der Regel relativ wenige Mitglieder und eine schwache Organisationsstruktur, die sich hĂ€ufig auf Paris als dem Ort, wo die meisten Entscheidungen getroffen werden, konzentriert.[28] Die politische Linke wird von der kommunistischen Parti communiste français, der sozialistischen Parti socialiste und der Parti radical de gauche besetzt, wobei die Parti communiste français die mitgliederstĂ€rkste Partei des Landes ist. Die Parti socialiste stellte hingegen den langjĂ€hrigen PrĂ€sidenten François Mitterrand und mehrere Premierminister. Die GrĂŒnpartei Frankreich heiĂt Les Verts, wobei grĂŒne Politik in Frankreich tendenziell weniger Zulauf genieĂt als in den deutschsprachigen Staaten. Die wichtigste Zentrumspartei ist die erst 2007 gegrĂŒndete Mouvement dĂ©mocrate. Zum konservativen Lager gehört die Union pour un mouvement populaire, die momentan den PrĂ€sidenten und den Premierminister stellt. Weiterhin ist der Mouvement pour la France eher noch zum bĂŒrgerlichen Lager zu zĂ€hlen, wĂ€hrend der Front National zum Rechtsextremismus gehört.
Innenpolitik
Sitzverteilung der Nationalversammlung 2007-2012
Momentan stellt das konservative Lager des amtierenden StaatsprÀsidenten Nicolas Sarkozy mit 345 Sitzen die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung.
Am 6. Mai 2007 gewann Nicolas Sarkozy, der PrÀsidentschaftskandidat der UMP, mit gut 53 % der Stimmen die PrÀsidentschaftswahl. Seine Kontrahentin, die Sozialistin SégolÚne Royal, erreichte knapp 47 Prozent.
Am 16. Mai 2007 folgte Sarkozy Jacques Chirac im Amt des französischen StaatsprĂ€sidenten. In den darauffolgenden Tagen ernannte er den frĂŒheren Sozial- und Bildungsminister François Fillon zum neuen Premierminister und stellte das neue Kabinett vor, dem auch Politiker des Zentrums und der Sozialisten angehören.
Als wichtigste innenpolitische Vorhaben nannte die Regierung die Erhöhung der Kaufkraft der BĂŒrger, eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, insbesondere durch die Abschaffung der 35-Stunden-Woche sowie ein hĂ€rteres Vorgehen gegen KriminalitĂ€t. WĂ€hrend seiner Zeit als Innenminister und seit der Wahl zum PrĂ€sidenten sah sich Sarkozy wiederholt mit Schwierigkeiten in der Banlieue, den Vorstadtsiedlungen groĂer StĂ€dte, konfrontiert. Immer wieder kommt es hier zu SachbeschĂ€digungen durch Vandalismus und zu ZusammenstöĂen zwischen der Polizei und Jugendlichen. Im Oktober 2005 hatten die Konflikte einen Höhepunkt erreicht und griffen von Paris in andere StĂ€dte ĂŒber, nachdem zwei Jugendliche einen Unfalltod erlitten hatten (siehe Hauptartikel Unruhen in Frankreich 2005).
AuĂen- und Sicherheitspolitik
Leitlinie der französischen AuĂenpolitik ist die zunehmende Integration Europas mit dem Ziel einer politischen Einigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben Deutschland und Frankreich unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse ihre Erbfeindschaft auf, die eine grundsĂ€tzliche GefĂ€hrdung des europĂ€ischen Friedens darstellte, und verfolgten die Aussöhnung untereinander. Mittlerweile betreiben Frankreich und Deutschland eine oftmals kongruente Europapolitik, sodass es PlĂ€ne gibt, aus diesen beiden LĂ€ndern ein âKerneuropaâ zu bilden, das die europĂ€ische Einigung nötigenfalls auch gegen einige andere EU-Mitglieder vorantreibt.
Indirekt ist dieser Prozess auch gegen ein als solches wahrgenommenes imperiales Streben der Vereinigten Staaten von Amerika, deren ĂŒberbordende MachtfĂŒlle Frankreich mit der Schaffung einer multipolaren Weltordnung relativieren will.
Eine weitere SĂ€ule der französischen AuĂenpolitik ist die internationale Kooperation auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik und der Entwicklungshilfe bei stĂ€ndiger Wahrung der französischen SouverĂ€nitĂ€t. Dazu ist Frankreich Mitglied in zahlreichen sicherheitspolitischen Organisationen wie der OSZE und hat am Eurocorps teil. AuĂerdem engagiert sich Frankreich in der atomaren AbrĂŒstung, hat bisher jedoch nicht verlautbaren lassen, auf das Potenzial der Force de frappe zu verzichten.
Frankreich ist zudem stĂ€ndiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat mit Vetorecht. Ăber die Vereinten Nationen koordiniert es seine internationale Entwicklungszusammenarbeit und sein humanitĂ€res Engagement.
Ebenfalls von groĂer Bedeutung fĂŒr die französischen AuĂenbeziehungen ist die französische Kulturpolitik und die Förderung der Frankophonie. International hat die französische Sprache mit ungefĂ€hr 140 Millionen Sprechern einen hohen Stellenwert. Dies möchte das französische AuĂenministerium mit einer Unterabteilung namens AEFE unterstĂŒtzen, die in knapp 125 LĂ€ndern knapp 279 Schulen, die von knapp 16.000 Jugendlichen besucht werden. Die Leistungen der knapp 1.000 LokalitĂ€ten der Agence française nehmen ungefĂ€hr 200.000 Studenten in aller Welt in Anspruch.[29]
Hinzu kommt ein Engagement auch nach Ende der Kolonialherrschaft in Afrika, wo Frankreich bis heute in vielen LĂ€ndern die bestimmende Ordnungsmacht geblieben ist.
Frankreich war 1949 GrĂŒndungsmitglied des Nordatlantikvertrages (NATO) und erhielt militĂ€rischen Schutz durch die USA. Mit der MachtĂŒbernahme von de Gaulle 1958 Ă€nderten sich die Beziehungen zu den USA und zu der von den USA dominierten NATO dahingehend, dass Frankreich 1966 seine militĂ€rische Integration in die Strukturen der NATO aufgab und ausschlieĂlich politisch integriert blieb. Im MĂ€rz 2009 kĂŒndigte PrĂ€sident Sarkozy die vollstĂ€ndige RĂŒckkehr Frankreichs in die Kommandostruktur der NATO an. Das französische Parlament bestĂ€tigte am 17. MĂ€rz 2009 diesen Schritt, indem es Sarkozy das Vertrauen ausgesprochen hatte.[30]
Unter de Gaulles FĂŒhrung entwickelte sich Frankreich 1960 zu einer Atommacht und verfĂŒgte ab 1965 mit der Force de Frappe ĂŒber AtomstreitkrĂ€fte, die zunĂ€chst 50 mit Atombomben (Kernwaffen) ausgestattete Flugzeuge in Dienst stellte. 1968 hatte Frankreich bereits 18 Abschussrampen fĂŒr Mittelstreckenraketen aufgestellt, die 1970 und 1971 mit Atomsprengköpfen ausgestattet wurden. In den 1970er Jahren erweiterte Frankreich seine Atommacht auch auf See. Vier Atom-U-Boote verfĂŒgen ĂŒber je 16 atomar bestĂŒckte Mittelstreckenraketen.
MilitÀr
Die französischen StreitkrĂ€fte (Les forces armĂ©es françaises) sind eine Berufsarmee mit 350.000 MĂ€nnern und Frauen unter Waffen. 20.000 Soldaten sind inkl. GerĂ€t in den Ăberseedepartements und -territorien stationiert, weitere 8.000 in afrikanischen Staaten, mit denen Verteidigungsabkommen vereinbart wurden. Die StreitkrĂ€fte teilen sich dabei in die drei klassischen Sektoren Heer (ArmĂ©e de Terre), Luftwaffe (ArmĂ©e de lâair), Marine (Marine nationale) sowie die NuklearstreitkrĂ€fte (Force de dissuasion nuclĂ©aire) mit ca. 348 bis 350 Sprengköpfen. Des Weiteren ist die Gendarmerie Nationale, eine zentrale Polizeibehörde, dem Verteidigungsministerium unterstellt. MilitĂ€risches und populĂ€rkulturelles AushĂ€ngeschild des französischen MilitĂ€rs ist die Fremdenlegion (LĂ©gion ĂtrangĂšre).
Administrative Gliederung
Administrative Gliederung Frankreichs
Administratives System Frankreichs
Frankreich gilt spĂ€testens seit Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu als Inbegriff des zentralisierten Staates. Zwar wurden spĂ€ter MaĂnahmen zur Dezentralisierung ergriffen, diese hatten jedoch eher den Zweck, die Zentralgewalt nĂ€her zum BĂŒrger zu bringen. Erst seit der Verwaltungsreform der Jahre 1982 und 1983 wurden Kompetenzen von der Zentralregierung auf die Gebietskörperschaften verlagert.[31]
Auf oberster Ebene ist Frankreich in 26 RĂ©gions gegliedert. Regionen gibt es erst seit 1964, seit 1982/83 haben sie den Status einer Gebietskörperschaft. Jede Region wĂ€hlt einen Regionalrat (Conseil rĂ©gional), der wiederum einen PrĂ€sidenten wĂ€hlt. Weiterhin ernennt der französische StaatsprĂ€sident einen RegionalprĂ€fekten. Regionen sind zustĂ€ndig fĂŒr die Wirtschaft, die Infrastruktur der Berufs- und Gymnasialausbildung und finanzieren sich ĂŒber Steuern, die sie einheben dĂŒrfen, und ĂŒber Transferzahlungen der Zentralregierung.[32] Korsika hat unter den Regionen einen Sonderstatus und wird als CollectivitĂ© territoriale bezeichnet. Vier Regionen (Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana und La RĂ©union) befinden sich in Ăbersee und hatten bis zur VerfassungsĂ€nderung 2003 den Status eines ĂberseedĂ©partements. Die Regionen bilden die europĂ€ische Statistikebene NUTS-2 (auf der ĂŒbergeordneten Ebene NUTS-1 bestehen 8+1 Zones dâĂ©tudes et dâamĂ©nagement du territoire (ZEAT, Raumplanungs- und -ordnungszonen)).
Ein Region ist ihrerseits in DĂ©partements unterteilt. DĂ©partements ersetzten 1790 die traditionellen Provinzen, um den Einfluss der lokalen Machthaber zu brechen. Von den heute 100 DĂ©partements liegen 96 in Europa. Die hohe Zahl dieser relativ kleinen Verwaltungseinheiten ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. DĂ©partements wĂ€hlen einen Generalrat (Conseil gĂ©nĂ©ral), der einen PrĂ€sidenten als Exekutivorgan wĂ€hlt. Erster Mann im DĂ©partement ist jedoch der vom französischen StaatsprĂ€sidenten ernannte PrĂ€fekt. DĂ©partements haben die Aufgabe, sich um das Sozial- und Gesundheitswesen, die CollĂšges, Kultur- und Sporteinrichtungen, DepartementsstraĂen und den Sozialbau zu kĂŒmmern.[33][34] Sie dĂŒrfen Steuern einheben und bekommen Transferzahlungen der Zentralregierung. Die DĂ©partements bilden die europĂ€ische Statistikebene NUTS-3.
Die 325 Arrondissements stellen keine eigene Rechtspersönlichkeit dar. Sie dienen vorrangig der Entlastung der DĂ©partementsverwaltung. Ebenso dienen die 4036 Kantone nur noch als Wahlbezirk fĂŒr die Wahl der GeneralrĂ€te. Die Arrondissements der StĂ€dte Paris, Lyon und Marseille haben den Status von Kantonen.[35][36]
Die kleinste und gleichzeitig Ă€lteste organisatorische Einheit des französischen Staates sind die Gemeinden (communes). Sie folgten 1789 den Pfarreien und StĂ€dten nach. Anfang 2009 gab es 36.682 Gemeinden, davon 112 in Ăbersee.[35] Trotz der hohen Zahl der Gemeinden, die gröĂtenteils nur sehr wenige Einwohner haben, gab es in den letzten Jahren kaum BemĂŒhungen um eine Gemeindereform. Jede Gemeinde wĂ€hlt einen Gemeinderat (Conseil municipal), der dann aus seiner Mitte einen BĂŒrgermeister wĂ€hlt. Seit 1982 haben die Gemeinden deutlich mehr Rechte und werden vom Staat weniger bevormundet. Auf Gemeindeebene werden Grundschulbildung, Stadtplanung, Abfallbeseitigung, Abwasserreinigung und KulturaktivitĂ€ten organisiert; auch sie finanzieren sich ĂŒber eigene Steuern und Transferzahlungen.[37][38]
Verwaltungsrechtliche Sonderstati gelten fĂŒr die DĂ©partementskörperschaft (CollectivitĂ© dĂ©partementale,) Mayotte, die Gebietskörperschaft (CollectivitĂ© territoriale) Saint-Pierre und Miquelon, die Ăberseeterritorien (Territoires dâoutre-mer, T.O.M.) Französisch-Polynesien, Neukaledonien, Wallis und Futuna, Saint-BarthĂ©lemy, Saint-Martin und die Französischen SĂŒd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises, T.A.A.F.) sowie die Ăles Ă©parses und die Clipperton-Insel.
Frankreich sowie seine Ăberseeregionen, -dĂ©partements sowie Saint-BarthĂ©lemy und Saint-Martin sind Teil der EU. Die restlichen Ăberseegebiete sind nicht EU-Mitglieder. In Frankreich erlassene Gesetze gelten in den T.O.M. nur, wenn dies ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt ist.
Infrastruktur
StraĂenverkehr
Ein dichtes Autobahnnetz verbindet in erster Linie den GroĂraum Paris mit den Regionen. Dabei wurde in erster Linie das auf Paris zu laufende Netz der NationalstraĂen ausgebaut. Nach und nach werden auch Querverbindungen zwischen den einzelnen GroĂrĂ€umen geschaffen. Die Verkehrswege Frankreichs gehören dem Staat, die meisten Autobahnstrecken werden seit 2006 aber privat betrieben, an Mautstellen mĂŒssen alle Benutzer Maut zahlen.[39] Nur wenige Abschnitte sind mautfrei, zum Beispiel im Bereich der GroĂstĂ€dte, die neue A75 oder die elsĂ€ssische A35. Dabei gilt wiederum die Ausnahme, dass bestimmte, besonders aufwĂ€ndige Autobahnabschnitte auch innerhalb des GroĂstadtbereichs Maut kosten (z. B. Nordumgehung von Lyon oder A14 bei Paris).
Siehe auch: Liste der Autobahnen in Frankreich
Schienenverkehr
Hauptartikel: Schienenverkehr in Frankreich
Der öffentliche Nahverkehr ist in groĂen Zentren hervorragend ausgebaut. In Paris ist kein Ort weiter als 500 Meter von einer Station der MĂ©tro entfernt. Auch in anderen StĂ€dten werden die U-Bahnen mit groĂem Aufwand ausgebaut, zum Beispiel in Lyon, Lille, Marseille oder Toulouse. AuĂerhalb der groĂen Zentren wird der Nahverkehr hingegen nur spĂ€rlich betrieben.
Landesweit wurde seit Anfang der 1980er Jahre das Netz des Hochgeschwindigkeitszugs TGV konsequent ausgebaut. Das Netz wird weiter ausgebaut und erreicht dabei auch zunehmend die NachbarlĂ€nder. FĂŒr Deutschland ist vor allem der Neubau der Hochgeschwindigkeitsstrecke LGV Est europĂ©enne Richtung StraĂburg und SĂŒddeutschland beziehungsweise Richtung SaarbrĂŒcken und Mannheim relevant. Der Thalys verbindet Paris mit BrĂŒssel, Aachen und Köln.
Seit 2003 muss die Staatsbahn SNCF sich privater Konkurrenz stellen. De facto hat sie aber landesweit noch ein Fast-Monopol.
Luftverkehr
Terminal 1 von Paris-Charles de Gaulle
Der Luftverkehr in Frankreich stark zentralisiert. Die beiden FlughĂ€fen der Hauptstadt Paris (Charles de Gaulle und Orly) fertigten 2008 gemeinsam 87,1 Millionen FluggĂ€ste ab.[40] Charles de Gaulle ist dabei der zweitgröĂte Flughafen Europas und zentrales Drehkreuz der Air France. Er wickelt auch praktisch den gesamten Langstreckenverkehr ab. Die gröĂten FlughĂ€fen auĂerhalb von Paris sind jene von Nizza mit 10 Millionen Passagieren, danach folgen Lyon und Marseille. Air France, die fĂŒhrendes Mitglied der Allianz SkyTeam ist, fusionierte 2004 mit KLM zu Air France-KLM und ist seitdem die gröĂte Fluggesellschaft der Welt.
Schiffsverkehr
Frankreich hat die natĂŒrlichen und kĂŒnstlichen BinnenwasserstraĂen (FlĂŒsse und KanĂ€le) aus wirtschaftlichen und militĂ€rischen BeweggrĂŒnden in seiner Geschichte stark entwickelt und ausgebaut. Seine HochblĂŒte erlebte das Wasserwegenetz im 19.Jahrhundert mit einer LĂ€nge von 11.000 Kilometern. Durch Konkurrenz von Schiene und StraĂe ist es bis heute auf rund 8.500 Kilometer zurĂŒckgegangen. Es wird zum GroĂteil von der staatlichen WasserstraĂenverwaltung Voies navigables de France (VNF) verwaltet und betrieben.
2007 wurden von der Frachtschifffahrt auf Frankreichs WasserstraĂen GĂŒter mit einem Gesamtgewicht von 61,7 Millionen Tonnen befördert. Bezieht man die Distanz in die Statistik ein, ergibt sich ein Wert von 7,54 Milliarden Tonnen-Kilometer. Ăber die letzten 10 Jahre bedeutet dies eine Steigerung um 33 Prozent. Die Personenschifffahrt hat heute nur noch touristische Bedeutung, ist aber ein aufstrebender Wirtschaftsfaktor.
Der Canal Seine-Nord Europe (CSNE) ist das Projekt eines neuen, 106 km langen Kanals in SĂŒd-Nord-Richtung durch Nordfrankreich zwischen den Einzugsgebieten der FlĂŒsse Seine und Schelde. Das Projekt ist in den Verkehrswegeplan der EuropĂ€ischen Union aufgenommen, die Planung soll 2010 beendet, der Kanal 2014 oder 2015 in Betrieb genommen werden.
Siehe auch: Liste der schiffbaren FlĂŒsse und KanĂ€le in Frankreich
Wirtschaft
Allgemeines
Traditionell ist in Frankreich die Wirtschaftspolitik von vergleichsweise starken staatlichen Eingriffen gelenkt. Hier spielt die historische Rolle des Merkantilismus â im Speziellen des Colbertismus â im Land eine Rolle.
Frankreich ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Ein staatlicher Mindestlohn, der SMIC, sichert den Angestellten einen Stundenlohn von 8,71 Euro.[41]
Wein steht aufgrund der zahlreichen Weinbaugebiete in der französischen Ausfuhrliste an fĂŒnfter Stelle: nach Autos, Flugzeugen, pharmazeutischen Produkten und Elektronik. Auch der Tourismus spielt eine groĂe Rolle.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2005 um 2,1 % jĂ€hrlich und erreichte 2005 den Wert von 1.689,4 Milliarden Euro. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards erreicht Frankreich einen Index von 111,4 (EU-25:100) (2003).[42]
Die ErwerbstĂ€tigenstruktur hat sich gegenĂŒber frĂŒher grundlegend gewandelt. So arbeiteten 2003 nur noch 4 % der ErwerbstĂ€tigen in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, in der Industrie waren es 24 %, wohingegen 72 % im Dienstleistungsbereich tĂ€tig waren.
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Frankreichs (2003): Es exportiert 14,9 % seines Exportvolumens nach Deutschland, das seinerseits am Import mit 19,1 % beteiligt ist.
Die gröĂten französischen Unternehmen 2003 ohne Banken und Versicherungen
- Total â Umsatz 104,7 Mrd. ⏠â 111.000 BeschĂ€ftigte
- Carrefour â Umsatz 70,5 Mrd. ⏠â 419.000 BeschĂ€ftigte
- PSA Peugeot CitroĂ«n â Umsatz 54,2 Mrd. ⏠â 200.000 BeschĂ€ftigte
- France TĂ©lĂ©com â Umsatz 46,1 Mrd. ⏠â 222.000 BeschĂ€ftigte
- EDF â Umsatz 44,9 Mrd. ⏠â 167.000 BeschĂ€ftigte
- Suez â Umsatz 39,6 Mrd. ⏠â 171.000 BeschĂ€ftigte
- Les Mousquetaires â Umsatz 38,4 Mrd. ⏠â 112.000 BeschĂ€ftigte
- Renault â Umsatz 37,5 Mrd. ⏠â 160.000 BeschĂ€ftigte
- Publicis Groupe â Umsatz 32,2 Mrd. ⏠â 35.000 BeschĂ€ftigte
- Saint-Gobain â Umsatz 29,6 Mrd. ⏠â 172.000 BeschĂ€ftigte
- Groupe Auchan â Umsatz 28,7 Mrd. ⏠â 156.000 BeschĂ€ftigte
- Veolia Environnement â Umsatz 28,6 Mrd. ⏠â 257.000 BeschĂ€ftigte
- Centres Leclerc â Umsatz 27,2 Mrd. ⏠â 84.000 BeschĂ€ftigte
Energie und BodenschÀtze
Lage kerntechnischer Anlagen in Frankreich
Die Energiewirtschaft Frankreichs beschĂ€ftigte 2008 194.000 Personen (0,8 % der Erwerbsbevölkerung) und trug 2,1 % zum BIP bei.[43] UrsprĂŒnglich verfĂŒgte Frankreich ĂŒber reiche Kohlevorkommen, die Kohleförderung erreichte jedoch bereits 1958 mit der Förderung von 60 Millionen Tonnen ihren Höhepunkt. 1973 förderte man noch 29,1 Millionen Tonnen, 2004 schloss mit La Houve in Lothringen die letzte Kohlegrube Frankreichs. Kohle wird heute vor allem aus Australien, den USA und SĂŒdafrika importiert und in der Stahlindustrie und WĂ€rmekraftwĂ€rken (6,9 GW installierte Leistung) verwendet.[44]
Frankreich verfĂŒgt ĂŒber sehr geringe Vorkommen an Erdöl und Erdgas, die den Gesamtverbrauch des Landes fĂŒr gerade zwei Monate decken könnten. Neben den knapp 1 Million Tonnen Ăl, die jĂ€hrlich in Frankreich selbst gefördert werden, wird Erdöl aus dem Nahen Osten (22 %), den Nordsee-Anrainerstaaten (20 %), Afrika (16 %) und der frĂŒheren Sowjetunion (29 %) importiert. Insgesamt verbrauchte Frankreich 2008 82 Millionen Ăleinheiten an Erdölprodukten, davon knapp die HĂ€lfte fĂŒr den Verkehr. Die 13 Raffinerien des Landes können 98 Millionen Tonnen Ăl jĂ€hrlich verarbeiten.[45] 22 % des Energieverbrauches wird von Erdgas abgedeckt, vor allem im Wohnbereich und in der Industrie. Das Erdgas im Wert von 26 Milliarden Euro, das Frankreich 2008 importierte, stammte vor allem aus Norwegen, Russland, Algerien und den Niederlanden.[46]
Die Ălpreisschocks der 1970er Jahre veranlassten die Regierung, ein Nuklearprogramm zu initiieren. Von den 44 Millionen Ăleinheiten an Energie, die Frankreich 1973 produzierte, waren noch 9 % Atomenergie. 2008 wurden 137 Millionen Ăleinheiten produziert, davon waren 84 % Atomenergie. Zu Beginn des Jahres 2009 waren in Frankreich 21 Kernkraftwerke mit 59 Reaktoren und einer Gesamtleistung von 63,3 GW am Netz. In die Kernkraftwerke wurden in Frankreich bisher 77 Milliarden Euro investiert; man schĂ€tzt, dass durch die nukleare Energiegewinnung jĂ€hrlich 31 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden.[47] Andererseits entstehen jĂ€hrlich in den Atomkraftwerken mehr als 700.000 mÂł AtommĂŒll. Von den 442 TWh elektrischer Energie, die 2008 in Frankreich erzeugt wurden, wurden 65 % in den Privathaushalten und weitere 27 % in der Industrie verbraucht. Frankreich ist auch ein Stromexporteur, 2008 wurden 50 TWh an die NachbarlĂ€nder verkauft, gröĂte Abnehmer sind Italien und GroĂbritannien. [48] MarktfĂŒhrer bei der Erzeugung elektrischer Energie ist der staatlich dominierte Konzern ĂlectricitĂ© de France.
Erneuerbare EnergietrĂ€ger spielen in Frankreich eine untergeordnete Rolle: 5,5 % der Energie werden aus Wasserkraft, 8,7 % aus Holz, 2,1 % aus Biomasse, 1,2 % aus MĂŒll und 0,49 % aus Wind gewonnen.[49]
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 1,445 Bio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,229 Bio. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 8,2 % des BIP.[50]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 2,1 Bio. US-Dollar oder 79,7 % des BIP.[50]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Kultur
Frankreich leitet seinen Rang in Europa und der Welt auch aus den Eigenheiten seiner Kultur ab, die sich insbesondere ĂŒber die Sprache definiert (Sprachschutz- und -pflegegesetzgebung). In der Medienpolitik wird die eigene Kultur und Sprache durch Quoten fĂŒr Filme und Musik gefördert. Frankreich verfolgt in der EuropĂ€ischen Union, der UNESCO und der WTO mit Nachdruck seine Konzeption der Verteidigung der kulturellen Vielfalt (âdiversitĂ© culturelleâ): Kultur sei keine Ware, die schrankenlos frei gehandelt werden kann. Der Kultursektor bildet daher eine Ausnahme vom restlichen Wirtschaftsgeschehen (âexception culturelleâ).
Landesweite Pflege und Erhalt des reichen materiellen kulturellen Erbes wird als Aufgabe von nationalem Rang angesehen. Dieses VerstĂ€ndnis wird durch staatlich organisierte oder geförderte MaĂnahmen, die zur Bildung eines nationalen kulturellen Bewusstseins beitragen, wirksam in die Ăffentlichkeit transportiert. Im jĂ€hrlichen Kulturkalender fest verankerte Tage des nationalen Erbes, der Musik oder des Kinos beispielsweise finden lebhaften Zuspruch in der Bevölkerung. GroĂzĂŒgig zugeschnittene kulturelle Veranstaltungen entsprechen dem SelbstverstĂ€ndnis Frankreichs als Kulturnation und von Paris als Kulturmetropole. Die Förderung eines kulturellen Profils der regionalen Zentren in der Provinz wird verstetigt.
Siehe auch: Liste französischer Schriftsteller, Liste französischer Komponisten, Burgen und Schlösser in Frankreich
Naturschutz
Frankreich unterhĂ€lt Naturschutzgebiete verschiedener Kategorien im europĂ€ischen Kernland und in den Ăbersee-DĂ©partements. Es sind dies derzeit:
- 9 Nationalparks mit einer FlÀche von etwa 4,5 Millionen Hektar
- 45 Regionale Naturparks mit einer FlÀche von mehr als 7 Millionen Hektar sowie
- eine Vielzahl von Schutzzonen, wie
Weitere Naturschutzgebiete sind in Planung und Vorbereitung.
Sport
Anders als in vielen anderen LĂ€ndern ist der FuĂball in Frankreich bis heute nicht die unangefochtene Nummer 1 unter den Sportarten. Besonders Rugby ist im SĂŒdwesten des Landes populĂ€rer. Das Interesse am FuĂball hĂ€ngt sehr stark mit der Leistung französischer Mannschaften auf internationaler Ebene zusammen. Als identitĂ€tsstiftendes Band gerade zwischen den verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen Frankreichs gilt die französische FuĂball-Nationalmannschaft. Die so genannte Ă©quipe tricolore trĂ€gt ihre Heimspiele meist im Stade de France in Saint Denis bei Paris aus.
1998 wurde in Frankreich die FuĂball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Im Endspiel gegen Brasilien gewann der Gastgeber das Turnier.
Ăhnlich populĂ€r dem FuĂball ist Rugby Union. Gerade in den sĂŒdlichen und sĂŒdwestlichen Regionen ist Rugby tatsĂ€chlich der weitaus beliebteste Sport. Die höchste Liga ist die Top 14 (siehe auch Rugby Union in Frankreich). Das Meisterschaftsendspiel findet jĂ€hrlich im Stade de France statt. Die Nationalmannschaft, von den Fans âLes Bleusâ genannt, was spĂ€ter auch auf die FuĂballequipe ĂŒbertragen wurde, gilt seit Jahrzehnten kontinuierlich als eines der besten Teams der Welt und war bislang bei jeder Weltmeisterschaft mindestens ins Viertelfinale vorgedrungen. Insgesamt wurde sie zweimal Vizeweltmeister und errang einmal den dritten Platz. Nationalstadion ist das Stade de France in St. Denis nahe Paris. Die besten Vereinsmannschaften der letzten Jahre sind Stade Toulousain, das insgesamt 16 Mal die französische Meisterschaft und dreimal den europĂ€ischen Heineken Cup gewinnen konnte, der aktuelle Meister Stade Français aus Paris mit 13 Meisterschaftserfolgen und der Meister der beiden Vorjahre Biarritz Olympique mit fĂŒnf nationalen Meisterschaftstiteln.
In der Zeit vom 7. September bis zum 20. Oktober 2007 fand erstmals die Rugbyweltmeisterschaft in Frankreich statt und man zĂ€hlte âLes Bleusâ zu den Topfavoriten auf den Titel. Allerdings kamen sie nicht ĂŒber einen 4. Platz hinaus. Weltmeister wurde SĂŒdafrika.
Weitere populĂ€re Sportarten sind der Radsport (insbesondere im Juli, wĂ€hrend der dreiwöchigen Tour de France), Leichtathletik, Formel 1 (GroĂer Preis von Frankreich in Magny Cours) und PĂ©tanque (Mondial la Marseille Ă PĂ©tanque)
GroĂer Beliebtheit erfreut sich in den vergangenen Jahren auch Tennissport. 1997 und 2003 konnten die Französischen Tennisdamen den Fed Cup gewinnen. AuĂerdem siegte Mary Pierce im Jahre 2000 bei den French Open.
In Frankreich fanden bereits mehrmals Olympische Spiele statt: Sommerspiele 1900 und 1924 in Paris, Winterspiele in Chamonix 1924, Grenoble 1968 und Albertville 1992.
Siehe auch: Skigebiete in Frankreich
Musik
Frankreich hat eine vielfĂ€ltige und lebendige Musikkultur. Neben den berĂŒhmten Vertretern des Chansons wie Ădith Piaf gibt es auch zahlreiche bekannte Vertreter in modernen und avantgardistischen Musikrichtungen. So prĂ€gten etwa Daft Punk und Ătienne de CrĂ©cy den âFrench Houseâ, Gotan Project ist Vorreiter des so genannten Electrotango und St. Germain steht fĂŒr eine Kombination von Jazz und House. Air wiederum ist ein bekannter Vertreter von Ambient-Musik.
Medien
Die wichtigsten französischen Printmedien sind die nationalen Tageszeitungen:
Die wichtigsten Nachrichtenmagazine in Frankreich:
GröĂte Regionalzeitung ist die Ouest-France mit einer Druckauflage von 900.000 Exemplaren.
Bedeutend ist auch das jeweils mittwochs erscheinende Investigations- und Satireblatt Le Canard enchaßné mit einer Auflage von 550.000 Exemplaren.
Fernsehen
Wie in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern besteht auch in Frankreich eine Co-Existenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern. Zur 1992 gegrĂŒndeten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt France TĂ©lĂ©visions gehören die Sender France 2, France 3, France 4, France 5 und France Ă.
Des Weiteren gibt es mit TV5 und ARTE zwei weitere Sender, an denen France TĂ©lĂ©visions beteiligt ist. TV5 ist ein französischsprachiges Gemeinschaftsprogramm der Staaten Frankreich, Belgien, dem französischsprachigen Teil Kanadas und der Schweiz. ARTE ist ein deutsch-französischer Sender, der von ARTE France zusammen mit den deutschen Rundfunkanstalten ARD und ZDF betrieben wird. France TĂ©lĂ©visions ist darĂŒber hinaus an dem Nachrichtensender EuroNews beteiligt.
Der gröĂte Fernsehsender Frankreichs ist der Privatsender TF1, der bis 1987 noch öffentlich-rechtlich war. TF1 ist auĂerdem alleiniger Gesellschafter des Sportsenders Eurosport. Seit Dezember 2006 sendet der von TF1 und France TĂ©lĂ©visions produzierte französische Nachrichtensender France24.
Bibliotheken
Die Bibliotheken sind weitgehend Mediatheken und konnten in den vergangenen 15 Jahren ihre Benutzerzahl verdoppeln (2005: 21 Millionen; 1989: 10,5). Mehr als 40 Prozent der Franzosen ĂŒber 15 Jahren sind eingeschriebene BibliotheksgĂ€nger und leihen zu 90 Prozent BĂŒcher aus. Im Angebot sind meist auch CDs und DVDs und Internetnutzung. (Quelle: F.A.Z. 6. Juni 2006)
Feiertage
â Hauptartikel: Feiertage in Frankreich
Siehe auch
Portal: Frankreich â Ăbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Frankreich
Literatur
- Alfred Pletsch: LĂ€nderkunde Frankreich. WBG Darmstadt 2003, 2. Aufl. ISBN 3-534-11691-7
- Wilfried Loth: Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Frankfurt 1995, ISBN 3-596-10860-8.
- Bernhard Schmidt, JĂŒrgen Doll, Walther Fekl, Siegfried Loewe und Fritz Taubert: Frankreich-Lexikon. SchlĂŒsselbegriffe zu Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Kultur, Presse- und Bildungswesen. 2. ĂŒberarbeitete Auflage 2005 ISBN 3-503-06184-3, Studienausgabe 2007, ISBN 3-503-07991-2
- Ralf Nestmeyer: Französische Dichter und ihre HÀuser. Insel, Frankfurt 2005, ISBN 3-458-34793-3.
- Informationen zur politischen Bildung Heft Nr. 285 Frankreich mit Karten, (auch online einsehbar, jedoch ohne die Karten und Bilder) BpB Bonn 2004 (mit Literatur, Internet-Hinweisen)
- Adolf Kimmel & Henrik Uterwedde (Hgg): LĂ€nderbericht Frankreich BpB, Schriftenreihe Band 462, 2. Aufl. 2005 ISBN 3-89331-574-8
- Karl Stoppel Hg.: La France. Regards sur un pays voisin. Eine Textsammlung zur Frankreichkunde Quellen und Originaltexte, in frz. Sprache, Vokabular. Reclam, Ditzingen 2000; 2. durchges. Aufl. Stuttgart 2008 (RUB 8906 Fremdsprachentexte)
- Ludwig Watzal (Verantw.): Frankreich Zs. Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu âDas Parlamentâ, 38/2007 v. 17. 9., Hg. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung BpB, Bonn 2007 (Schwerpunktheft) ISSN 0479-611X
- Robert Picht u.a. Hgg.: Fremde Freunde. Deutsche und Franzosen vor dem 21. Jahrhundert Piper, MĂŒnchen 2002 ISBN 3-492-03956-1 (57 Essays von 52 Autoren zu Begriffen der dt.-frz. Geschichte, Politik, Kultur und Wirtschaft, u.a. Hans Manfred Bock, Freimut Duve, Etienne François)
Weblinks
Einzelnachweise
- â AuswĂ€rtiges Amt
- â a b Institut National de la Statistique et des Ătudes Ăconomiques: Bilan dĂ©mographique 2009
- â a b Institut National de la Statistique et des Ătudes Ăconomiques: Population totale par sexe et Ăąge au 1er janvier 2010, France mĂ©tropolitaine
- â Human Development Report 2009, abgerufen am 13. November 2009
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Teilnehmerstaaten der OSZE
46.3166666666672.5333333333333
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